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Mit Ich muss aufpassen, dass ich es nicht vergesse legt Marianne Luise Koch einen eindringlichen Debütroman vor, der sich mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die nachfolgenden Generationen auseinandersetzt. Die Wittener Autorin, die bisher für ihre Lyrik und Kurzprosa bekannt war, schöpft in ihrem ersten Roman aus autobiografischen Erfahrungen und verwebt sie zu einer bewegenden Familiengeschichte.

Eine Kindheit im Schatten des Schweigens

Im Mittelpunkt des Romans steht Carla, eine Frau, die sich von den seelischen Lasten ihrer Familie zu befreien versucht. Die Kriegstraumata der Eltern, die Unnahbarkeit der Mutter und das allgegenwärtige Schweigen prägen ihr Leben, bis sie beginnt, sich den Erinnerungen zu stellen. Koch erzählt diese Geschichte nicht linear, sondern verschachtelt Episoden aus verschiedenen Zeitebenen: bedrückende Erlebnisse der Eltern in den 1930er- und 1940er-Jahren, Carlas eigene Kindheit und ihre Suche nach Antworten.

Die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Viele der Erlebnisse ihrer Protagonistin hat sie selbst durchlebt. Doch ihr Buch ist mehr als eine persönliche Aufarbeitung – es trifft einen Nerv, der weit über die eigene Familiengeschichte hinausreicht. „Das Erzählte ist übertragbar, das habe nicht nur ich so erlebt“, betont Koch.

Inspiration durch Sabine Bodes „Kriegsenkel“

Die Idee zum Roman reifte über zwei Jahrzehnte. Koch, die als Sprachlehrerin und Sonderpädagogin gearbeitet hat, begann bereits vor zwanzig Jahren damit, ihre Kindheitserinnerungen aufzuschreiben. Doch erst die Lektüre von Sabine Bodes Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation brachte den entscheidenden Impuls: Die Weitergabe von Traumata ist eine Realität, mit der viele Menschen kämpfen – und Heilung ist nur durch Erinnern möglich.

Kochs Erzählweise ist bewusst fragmentarisch. Ohne explizierte Kommentare reiht sie Szenen aneinander, die mal von Kriegsgräueln, mal von familiärer Gewalt, mal von glücklichen Kindheitsmomenten erzählen. Gerade dieser ungeschönte Blick macht das Buch so eindrucksvoll.

Ein Roman, der berührt

Mit Ich muss aufpassen, dass ich es nicht vergesse ist Marianne Luise Koch ein Werk gelungen, das viele Leserinnen und Leser ansprechen wird. Ihr Buch zeigt, wie tief die Schatten des Krieges reichen – und wie wichtig es ist, sie zu beleuchten. Auch ihr nächstes Projekt ist bereits in Planung: Wieder wird es um Lebenswege gehen, doch diesmal verspricht die Autorin einen leichteren Ton.

Buchtipp:

Marianne Luise Koch: Ich muss aufpassen, dass ich es nicht vergesse
Edition Contra-Bass, 15 Euro

Lesung

  • 24. März, 19:30 Uhr
  • Leseinsel, Brenscheder Str. 60a, Bochum

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