Die Vergangenheit ist nicht einfach vergangen – sie lebt fort in Erinnerungen, Schweigen und unausgesprochenen Wahrheiten. Marianne Luise Kochs Debütroman Ich muss aufpassen, dass ich es nicht vergesse erzählt die bewegende Geschichte einer Frau, die sich dem schweren Erbe ihrer Familie stellt.

Carla, die Protagonistin des Romans, trägt die Last der Familiengeschichte auf ihren Schultern. Der plötzliche Tod ihres Vaters, die zunehmende Pflegebedürftigkeit der Mutter und das endgültige Scheitern ihrer Ehe bringen sie an einen Wendepunkt. Sie beginnt Fragen zu stellen – Fragen, die lange unbeantwortet blieben. In einer Familie, in der Schweigen über Kriegsgewalt, familiäre Härte und Verluste dominierte, sucht Carla nach Antworten. Sie erkennt, dass ihre eigene Schwermut kein individuelles Leid ist, sondern Teil eines über Generationen weitergegebenen Traumas.
Nicht das Vergessen befreit, sondern das Erinnern – diese zentrale Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Carla begreift, dass die stummen Schatten der Vergangenheit sie geprägt haben, doch sie will sich nicht von ihnen bestimmen lassen. Sie kämpft darum, die Leiden ihrer Vorfahren anzuerkennen, ohne ihr eigenes Leben davon erdrücken zu lassen.
Marianne Luise Koch, geboren 1956 in Witten, bringt ihre literarische Erfahrung aus der Lyrik und Kurzprosa in ihren ersten Roman ein. Die Autorin, die Germanistik, Romanistik und Sonderpädagogik studierte, beschreibt mit großer Sensibilität, wie Erinnerungen und unausgesprochene Traumata über Generationen hinweg wirken können.
Das Magazin HAKEN berichtete bereits im Februar 2023 über das Buch und würdigte die einfühlsame Darstellung eines weitverbreiteten, aber oft übersehenen Themas: den Einfluss der Vergangenheit auf unser heutiges Leben.
Mit Ich muss aufpassen, dass ich es nicht vergesse gelingt Koch ein tiefgründiger, literarisch feinsinniger Roman über Familiengeschichte, Erinnerung und die Suche nach einem selbstbestimmten Leben.